Rundschreiben 2/2001
Liebe Pilzfreunde,
ein ereignisreiches Jahr geht zu Ende. Zuallererst brachte es eine reiche Ausbeute an Pilzen, zumindest in den meisten Gebieten. Dabei kamen neben den "Kochtopfmykologen" auch die "Spezialisten" auf ihre Kosten, wie weiter unten in der Rubrik "Highlights" nachzulesen ist. Für uns Thüringer war das Jahr insofern besonders wichtig, als wir es nun endlich geschafft haben, unseren thüringischen Pilzverein zu gründen. Darüber wurde bereits im letzten Rundschreiben berichtet. Mittlerweile ist der Verein beim Amtsgericht ordnungsgemäß eingetragen (also richtiger "e.V."!), und vom Finanzamt durch vorläufigen Bescheid als gemeinnützig anerkannt. Insofern sind wir nun, etwa 8 Monate nach der Gründungsversammlung, voll arbeitsfähig.
Dies ist das letzte Mal, daß der Landesfachausschuß Mykologie des NABU als Mitherausgeber dieses Rundschreibens fungiert. Dieses Gremium wird sich in wenigen Tagen formell auflösen. Seit Januar 1995 hat der LFA versucht, die Pilzfreunde Thüringens zusammenzubringen, was ihm weitgehend gelungen ist. Deshalb sei heute noch einmal all denen Dank gesagt, die über Jahre hinweg aktiv die Belange des LFA mitgestaltet und nach außen vertreten haben.
In wenigen Tagen wird die D-Mark durch den €uro abgelöst. Es ist jetzt schon abzusehen, daß vieles teurer wird. Damit stellt sich auch die Frage nach der zukünftigen Finanzierung dieses Rundschreibens. Immerhin umfaßt der Verteiler ca. 190 Namen, was in jedem Falle Portokosten in dreistelliger Höhe verursacht. Ein kleinerer Teil der Pilzfreunde erhält diese Zeilen per eMail, aber trotzdem muß immer noch sehr viel Papier gewälzt werden. Bisher erfolgte die Finanzierung durch übriggebliebene Gelder aus NABU-Aktivitäten sowie privat. Ab sofort muß die Vereinskasse dafür herhalten. Der Vorstand der ThAM hat deshalb beschlossen, nur noch im Jahre 2002 die Rundschreiben an Nicht-Mitglieder des Vereins zu verschicken, danach nicht mehr (Ausnahme per eMail). Dies sollte all denen nochmals Anlaß sein, über eine Mitgliedschaft nachzudenken, die sich bisher nicht zum Eintritt in die ThAM entschließen konnten. Mit 12 € Jahresbeitrag (bei sozialer Notlage 7 €) bewegen wir uns ja auf einem sehr moderaten Niveau. Der Verein hat gegenwärtig 62 Mitglieder (Stand 01.01.2002).
Nach und nach soll das Rundschreiben durch tiefgründigere Beiträge angereichert werden. Den Anfang macht Pilzfreund Dietmar KEIL (Reudnitz bei Greiz) mit Hinweisen zur erfolgreichen Pilzfotografie bereits in vorliegendem Rundschreiben.
1. Dritte Thüringer Exkursions- und Vortragstagung in Beichlingen 28. - 30. September 2001
Einen kurzen Bericht über diese Veranstaltung hat unser Schriftführer Andreas VESPER bereits auf der Homepage der ThAM veröffentlicht. Mit zeitweilig über 90 Teilnehmern war die Beichlinger Tagung schon fast eine "Großveranstaltung". Wir als thüringische Organisatoren konnten auch eine Reihe von Pilzfreunden aus Sachsen und Sachsen-Anhalt als Gäste begrüßen. Unterkunft und Verpflegung waren über jede Kritik erhaben, so daß sich die Teilnehmer voll auf das Thema "Pilze" konzentrieren konnten.
Das Vortragsprogramm war sehr vielseitig und wies an jedem der drei Tage Höhepunkte auf:
- Für großes Aufsehen sorgten die Ausführungen von Frau Dr. BERGMANN (Giftinformationszentrum Erfurt) über neue Erkenntnisse bezüglich einer möglichen Giftigkeit des Grünlings (Tricholoma equestre). Hierüber sind in der Zwischenzeit auch Presseveröffentlichungen erschienen.
- Die historischen Wurzeln der Pilzaufklärung der DDR liegen in ähnlichen Organisationsformen begründet, wie sie im dritten Reich entwickelt wurden. Diese sicherlich nicht jedem bisher bewußte Erkenntnis vermittelte Udo RICHTER (Merseburg) in seinem Vortrag.
- Daß beinahe der gesamte Boden voller Trüffeln steckt, zeigte Manfred HUTH (Freyburg/U.) in seinem Vortrag. Man muß sie nur zu finden wissen !
- Mit tollen Fotos begeisterte Vereinsmitglied Dietmar KEIL (Reudnitz) das Publikum, worauf Pilze aus dem Greizer Wald zu sehen waren, dessen Mykoflora D. KEIL seit Jahren akribisch erfaßt.
- Sehr betroffen machte z.T. der Vortrag von Vereinsmitglied Dipl.-Ing. S. PETZOLDT (Artern), der auf die Gefahren durch Pilze in geschlossenen Räumen hinwies. Oft sind Vorkommen toxischer oder allergener Arten (meist Schimmel- oder Schlauchpilze) Auslöser für chronische Erkrankungen.
Zahlreiche Pilzsachverständige nutzten die Veranstaltung zur Weiterbildung. Hierzu trug neben den Vorträgen auch das umfangreiche Pilzmaterial bei, welches die drei Exkursionsgruppen im Bereich der Beichlinger Schmücke zusammengetragen hatten. Durch kleinräumig wechselnde geologische Verhältnisse waren sowohl Pilze saurer Böden als auch Arten des Muschelkalks vertreten. Leider war insgesamt gesehen das Aufkommen nur durchschnittlich, besonders die Mykorrhizapilze schienen gerade eine Pause eingelegt zu haben.
Während der Tagung fand auch die erste reguläre Mitgliederversammlung der ThAM statt. Die anwesenden Mitglieder verabschiedeten die Beitragsordnung des Vereins. Arbeits- und Finanzplan des Jahres 2002 wurden diskutiert. Frieder GRÖGER wurde wegen seiner besonderen Verdienste um die Pilzkunde in Thüringen zum Ehrenmitglied des Vereins ernannt.
2. Tagesexkursionen
A)
Exkursion in den Geraer Stadtwald am 23. Juni 2001
Etwa 30 Personen aus Thüringen und Westsachsen waren der Einladung nach Gera gefolgt und fanden einen ansehnlichen Pilzaspekt um den Geraer Hainberg herum vor. Teilnehmerfoto und Artenliste können auf unserer Homepage eingesehen werden. Herausragend waren Arten wie Mosaik-Schichtpilz (Xylobolus frustulatus) sowie einige seltene kleine Blätterpilze, Becherlinge und Schleimpilze.
B)
Exkursion in das Naturschutzgebiet "Staatsbruch" südl. Lehesten am 13. Oktober 2001
Diese Veranstaltung wurde durch die ThAM in Zusammenarbeit mit der Thüringer Landesanstalt für Umwelt und Geologie (TLUG) und der Naturparkverwaltung Thüringer Schiefergebirge/Obere Saale durchgeführt. Es fanden sich ca. 25 Personen ein. Die Zielstellung der Exkursion trug eindeutig wissenschaftlichen Charakter, indem die bereits recht umfangreiche Pilzliste dieses großen Tagebau-Restloches (Schieferabbau), welche durch Frank PUTZMANN (Schmiedebach) erstellt wurde, noch ergänzt werden sollte. Auf den extrem nährstoffarmen Böden der Schieferhalden finden konkurrenzschwache Mykorrhizapilze ein wichtiges Refugium. Aber auch saprophytische Arten waren reich vertreten. Die Fundauswertung ist noch nicht abgeschlossen, es konnten wahrscheinlich mehrere Hundert Arten gefunden werden. Die "ansehnlichsten" Arten wurden dann am Nachmittag in der Naturparkverwaltung in Leutenberg zu einer Pilzausstellung zusammengestellt, welche am Folgetag von mehreren Hundert Interessenten besucht wurde. Die Ausstellung wurde von unseren Mitgliedern F. PUTZMANN und Klaus HASSMANN betreut.
3. Pilzsachverständigenprüfung
Wegen zahlreicher Anfragen wurde durch die ThAM erstmals eine Pilzsachverständigenprüfung nach DGfM-Normen in Thüringen abgehalten. Die Veranstaltung wurde am 6. Oktober in Jena durchgeführt und stand unter der Leitung unseres Vereinsmitgliedes Peter BAUER (Meiningen), welcher auch als DGfM-Referent fungiert. Neun Kandidaten hatten sich der Prüfung gestellt, für sieben davon konnten schließlich die Urkunden ausgestellt werden. Die beiden durchgefallenen Prüflinge waren jedoch ganz nah dran, so daß sich ein zweiter Versuch auf alle Fälle lohnt. Dieser wird schon im kommenden Jahr möglich sein, denn mittlerweile gibt es bereits wieder eine ganze Reihe von Interessenten, welche die Prüfung ablegen wollen. Die Kandidaten werden zu Anfang des kommenden Jahres mit Beispielfragen und den Anforderungen bekannt gemacht. In Vorbereitung der Prüfung, welche an einem noch nicht festgelegten Termin im Herbst stattfinden wird, haben sich Frank WENDLAND (Vorstandsmitglied der ThAM und verantwortlich für Pilzberatung) und ThAM-Mitglied Heinrich DÖRFELT bereit erklärt, eine eintägige vorbereitende Schulung für die Prüflinge abzuhalten.
4. Zukunft der Pilzberatung in Thüringen
Eines der satzungsgemäßen Ziele der ThAM ist die Herbeiführung einer landesweit einheitlichen Regelung für die Pilzberatung. Unter Federführung von F. WENDLAND wurde ein Grundsatzpapier zur Pilzberatung in Thüringen erarbeitet. Dieses Papier soll nach interner Diskussion an mehrere mutmaßlich zuständige Landesbehörden übersandt werden. Der nächste Schritt wäre dann ein Gespräch im Landesverwaltungsamt zu dieser Problematik, mit der Zielstellung der Festlegung eines Fahrplanes zu einer landesweiten (gesetzlichen) Regelung. Zu mehreren zuständigen Beamten dieser Behörde wurden bereits Kontakte geknüpft, so daß wir auf einen Gesprächstermin spätestens im März/April 2002 hoffen. Die Giftinformationszentrale Erfurt wird uns (hoffentlich) bei diesem Vorgehen unterstützen.
5. Kartierung
Bereits im letzten Rundschreiben wurde auf die mißliche Lage, in der sich die Ostdeutschland-Kartierung befindet, hingewiesen. Leider hat sich seitdem nichts verbessert. Die fällige Täublingsserie ist immer noch nicht erschienen.
Mittlerweile sind die ersten Fundmeldungen zur Schnecklingsserie eingegangen - herzlichen Dank an alle eifrigen Kartierer! Es ist aber zu befürchten, daß diese Serie noch eine Weile liegen bleiben wird, bevor sie in Angriff genommen werden kann. Also bitte die Schnecklingsdaten (Artenliste im letzten Rundschreiben und im BOLETUS 23: 47f., 1999) noch zurückhalten, möglicherweise kann auch nächste Saison noch kartiert werden. In der Bearbeitung sind gegenwärtig noch die Auwaldpilze und Weidenbegleiter. Hierfür werden kurzfristig noch Ergänzungen entgegengenommen (etwa bis Mitte Januar). Die Liste war im Rundschreiben 1/2000 abgedruckt und findet sich auch im BOLETUS (a.a.O.).
6. Rote Listen
Die neuen Roten Listen Thüringens erscheinen nun doch erst Anfang 2002. Neben der Roten Liste der Großpilze (3. Fassung) wird es auch erstmals eine Rote Liste der phytoparasitischen Kleinpilze und eine Rote Liste der Schleimpilze des Freistaates Thüringen geben. Leider hat die herausgebende Behörde (TLUG) keine Sonderdrucke eingeplant, so daß man sich ggf. den gesamten Band beschaffen muß (mit zahlreichen weiteren Roten Listen diversester Tier- und Pflanzengruppen). Die ThAM wird versuchen, für Interessenten, die nicht den ganzen Band brauchen, eine Anzahl an Kopien bereitzustellen.
7. DGfM-Jahrestagung 2004 in Thüringen
Anläßlich eines Besuches des 1. Vorsitzenden der Deutschen Gesellschaft für Mykologie, Herrn Prof. AGERER, in Jena wurde abgesprochen, daß die DGfM ihre Jahrestagung 2004 in Thüringen abhalten und die ThAM sich maßgeblich an der Organisation beteiligen wird.
8. Highlights 2001
Im vergangenen Jahr hatten wir unter der Überschrift "Blacklights" den (möglichen) Verlust des einzigen deutschen Myzels des extrem seltenen Stachelpilzes
Sarcodon lepidus beklagt. Erfreulicherweise hat sich diese Befürchtung nicht bewahrheitet. Pilzfreund
Horst NEUWIRTH (Nordhausen) fand im abgelaufenem Jahr wieder 5 Fruchtkörper. Damit bestätigt sich allerdings die deutliche Rückgangstendenz dieses Pilzes, waren es in früheren Jahren doch manchmal über 30 Fruchtkörper, die das Myzel hervorbrachte. In unmittelbarer Nähe des Stachelings konnten auch ca. 20 Exemplare des in Thüringen sehr seltenen Dreifarbigen Krempentrichterlings (
Leucopaxillus compactus) beobachtet werden.
Neben dem Rückgang vieler Pilzarten läßt sich bei vielen Arten auch eine gegenteilige Tendenz beobachten. Zu den sich offenbar ausbreitenden Arten gehört auch ein Porling, der bisher nur aus Süddeutschland bekannt war. Nachdem der Leuchtende Weichporling (
Pycnoporellus fulgens) bereits vor zwei Jahren von
Frank PUTZMANN ca. 200 km nördlich des bis dato nördlichsten bekannten Vorkommens bei Lehesten gefunden wurde, gelang es unserem Mitglied
Wolfgang SCHULZ im Jahr 2001 sogar, die Art am Südharzrand aufzufinden. In beiden Fällen wuchs der leuchtend gefärbte, kurzlebige Pilz an Fichte.
Als schwer bestimmbar erwies sich ein recht großer, schwarzer, stromatischer Ascomycet (ähnlich einem Hypoxylon) auf einem liegenden Fichtenstamm, den unser Mitglied
Peter PÜWERT im ehemaligen Grenzstreifen bei Sonneberg fand. Die Bestimmung ergab schließlich mit
Camarops tubulina einen Erstnachweis für Thüringen. Diese wie auch die vorgenannte Art sind eigentlich Bewohner des abgestorbenen Holzes von Weißtannen, gehen jedoch offenbar in zunehmendem Maße auch auf Fichte über.
Nur durch Zufall gelang es
Gerald HIRSCH (Jena), den fruchtkörperlosen Heterobasidiomyceten
Krieglsteinera lasiosphaeriae im Nationalpark Hainich und damit erstmals für Thüringen und das zweite Mal für Deutschland nachzuweisen [die Gattung ist nach dem am 5. Dezember 2001 verstorbenen deutschen Mykologen German J. KRIEGLSTEINER benannt]. Die zweizelligen Basidien entwickeln sich auf den Perithecien des nicht seltenen Kernpilzes Lasiosphaeria ovina, auf welchem Krieglsteinera parasitiert.
Daß man unabsichtlich Tintenfischpilze (
Clathrus archeri) im eigenen Garten züchten kann, mußte
Dietmar KEIL (Reudnitz) feststellen. Vor fünf Jahren hatte er Pilze, die von dem bekannten Vorkommen im Greizer Park stammten, in seinem Garten zum Fotografieren aufgebaut. Zu seiner Überraschung mußte er nun beobachten, daß sich aus den Resten offenbar ein Myzel entwickelt hatte, denn er fand im Herbst 2001 frische (stinkende) Fruchtkörper.
Seit April 2001 arbeitet
Lothar KRIEGLSTEINER im Rahmen eines Forschungsprojektes der Universität Regensburg zeitweilig auch auf thüringischem Gebiet im Rahmen einer intensiven Erfassung der Pilzflora der Rhön. Bisher gelangen ihm bereits zahlreiche Erstnachweise für Thüringen, besonders aus Gruppen bisher kaum untersuchter Kleinpilze.
Noch ein wichtiger Nachtrag zu 2000: Super-Spürnase
Frank PUTZMANN entdeckte in einem vermoorten ehemaligen Schieferbruch unweit Lehesten den Moor-Röhrling (
Suillus flavidus), welcher seit Jahrzehnten in Thüringen verschollen war. Im gleichen Gebiet wuchs auch der extrem seltene Zottige Violett-Milchling (
Lactarius repraesentaneus).
9. Landespilzausstellung 2002 in Erfurt
Der wichtigste Punkt des Arbeitsplanes der ThAM für 2002 ist die erstmalige Durchführung einer Landespilzausstellung auf dem EGA-Gelände in Erfurt.
Dieser wichtigste Termin des kommenden Jahres ist der 5./6. Oktober (bitte unbedingt vormerken !!!). Auf der Tagung in Beichlingen hat sich ein Vorbereitungskomitee konstituiert, welches inzwischen gemeinsam mit dem ThAM-Vorstand getagt und konkrete Schritte der Vorbereitung festgeschrieben hat. Die Ausstellung wird in der EGA-Halle 2 stattfinden. Neben der eigentlichen Präsentation von hoffentlich reichlich vorhandenem Pilzmaterial soll die Mykologie in großer Breite präsentiert werden, durch Poster, Sonderausstellungen u.dgl. Alle Pilzfreunde in Thüringen, besonders die ThAM-Mitglieder, sind aufgerufen, das Gelingen der Ausstellung durch eigenen Beitrag zu fördern. Wer Ideen hat, was auf der Ausstellung gezeigt werden kann, möge damit an den Vorstand der ThAM herantreten. Besonders bei der Beschaffung frischen Pilzmaterials können sich im Prinzip alle beteiligen. Die Vorbereitung der Ausstellung beginnt am Donnerstag, den 3. Oktober und wird am Freitag fortgesetzt. Für Samstag, den 5. Oktober hat der Vorstand die Jahresmitgliederversammlung der ThAM angesetzt (9.00 Uhr auf dem EGA-Gelände). Eine Einladung ergeht satzungsgemäß spätestens 4 Wochen vorher. Für 13.00 Uhr ist dann die Ausstellungseröffnung geplant, die Ausstellung endet am Sonntag, den 6. Oktober um 18.00 Uhr.
Für die Organisation der Pilzbeschaffung werden noch Regionalgruppen gebildet, die Verantwortlichen treten dann ggf. direkt an Sie heran. Mehr Einzelheiten hierzu im nächsten Rundschreiben.
10. Weiterbildungsveranstaltung für Mikroskopiker
Für Anfänger in der Pilzmikroskopie oder solche Pilzfreunde, die glauben, auf dieser Strecke noch Nachholebedarf zu haben, führt die ThAM in der Zeit vom 30. Mai - 2. Juni 2002 einen Weiterbildungskurs im Altenburger Gebiet durch. Interessenten, die sich bisher nicht angemeldet haben, sollten dies sofort tun, da die Teilnehmerzahl eng begrenzt ist. Voraussetzung für die Teilnahme ist das Mitbringen eines eigenen Mikroskops. Unabhängig von der Reihenfolge der Anmeldung werden ThAM-Mitglieder bevorzugt. Anmeldeschluß: 10. Januar 2002.
11. Tagesexkursionen
Die Zahl der Tagesexkursionen soll im kommenden Jahr von bisher 2 auf 4-5 erhöht werden. Bisher steht allerdings erst folgender Termin fest:
Samstag, den 11. Mai 2002, Jena, Rautal: Auf den Spuren von BATSCH und BENEDIX
Treffpunkt 10.00 Uhr Jena, Saalbahnhof
Weitere Termine im nächsten Rundschreiben.
Im Namen des Vorstandes der ThAM wünsche ich allen Pilzfreunden ein besinnliches Weihnachtsfest und ein glückliches, gesundes neues Jahr 2002 !
| G. Hirsch | Jena, im Dezember 2001 |
Während der Tagung in Beichlingen beeindruckte Dietmar KEIL aus Reudnitz in seinem Vortrag über die Pilzflora des Greizer Waldes durch herausragend qualitätvolle Pilzdias. Der Vorstand der ThAM ist deshalb an Herrn KEIL herangetreten und hat ihn gebeten, auch andere Pilzfreunde an seinem Wissen über Pilzfotografie teilhaben zu lassen. Nachstehend deshalb seine Hinweise, wie man zu guten Pilzfotos gelangt:
Für Belegaufnahmen größerer Pilze reicht eine handelsübliche Kompaktkamera mit Makrofunktion. Für stärkere Vergrößerungen ist eine Spiegelreflexkamera (SLR) mit Makrozubehör erforderlich.
Freihand-Aufnahmen liefern in der Regel keine guten, d.h. reprofähigen Bilder. Nicht nur wegen der Verwacklungen, sondern auch aus physikalischen Gründen: Bei solchen (freihändigen) Aufnahmen muß die Belichtungszeit möglichst kurz sein, zwangsläufig wird damit eine große Blendenöffnung impliziert. Die durch das Objektiv gelangenden Randstrahlen verursachen sog. Zerstreuungskreise, die eine Unschärfe zur Folge haben. Ausweg: kleine Blendenöffnungen reduzieren die Randstrahlen, das Lichtbündel wird schmaler und die Zerstreuungskreise kleiner, das Bild wird insgesamt schärfer. Das betrifft auch Objekte vor und hinter dem eigentlichen Motiv ("Tiefenschärfe"). Bei kleinen Blendenöffnungen wird aber die Belichtungszeit automatisch länger, Freihand-Aufnahmen werden dann durch Verwacklungen unscharf.
Gute Makroaufnahmen können daher nur wie folgt gelingen:
Man benötigt: SLR, Normalobjektiv mit Distanzringen (sog. Zwischenringe) oder Makroobjektiv (besser), kurzes, verstellbares Stativ, Auslösekabel (kameraspezifisch; unbedingt notwendig, um jede Erschütterung der Kamera zu vermeiden), kleine Blendenöffnung (= hohe Blendenzahl) und damit Langzeitbelichtung einstellen.
Motiv am Aufnahmeort ästhetisch gestalten und gut zentrieren. Prinzip: Pilze möglichst groß, aber dennoch scharf. Sie sollten möglichst schon im Sucher scharf zu sehen sein, nicht auf die Tiefenschärfe verlassen.
SLR auf Stativ befestigen, kleine Blende (16 - 22) vorwählen, manuell fokussieren. Belichtung vornehmen und laufend wieder kontrollieren, mit Auslösekabel Aufnahme tätigen. Die Körperhaltung ist dabei in der Regel knieend und weit nach vorn gebeugt.
Ein Blitz ist meistens nicht erforderlich. Bei normalem Tageslicht bringt er keine Besserung der Aufnahme, an dunklen Standorten ist er notwendig, wenn die Aufnahme am Standort gemacht werden soll. Aufsteckbare Blitze sind zu kräftig und für den Makrobereich daher nicht geeignet. Moderne SLR haben integrierte, ausklappbare Blitze mit geringer Leitzahl. Diese sind sehr gut geeignet. Nachteil: je nach Länge des Objektivs erfolgt eine entsprechende Abschattung im Nahbereich. Ausweg: Ringblitzleuchten. Sie werden auf das Objektiv geschoben und leuchten daher schattenfrei im extremen Nahbereich aus. Nachteile: sehr teuer, umständliche Handhabung.
Sonnenlicht kann für Aufnahmen günstig sein, oft ist aber das Gegenteil der Fall. Am besten ist ein leicht bis mäßig bewölkter Himmel.
Ich persönlich verwende Dia-Filme. Sie lassen sich nach der Entwicklung mit einer Lupe gut auf Schärfe, Farbe und Ästhetik kontrollieren. Dias lassen sich auch gut archivieren, entsprechendes Zubehör kann im Fotofachhandel gekauft bzw. bestellt werden. Als Filmempfindlichkeit reicht ISO 100 aus, es eignen sich alle handelsüblichen Marken. Sonderangebote und Preisvorteile beim Großeinkauf beachten ! Im Kühlschrank gelagert halten sich die noch nicht verwendeten Filme mehrere Jahre.
Nicht jede Aufnahme gelingt gut; Mehrfachaufnahmen sind zu empfehlen. Ein gewisser Filmverschleiß ist natürlich. In guten Pilzjahren verbrauche ich ca. 30 Filme. Man findet immer wieder bessere Motive, der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt.
| Dietmar KEIL | im November 2001 |
Pilzberater/Hobbymykologe
Waldsiedlung 10
07987 Reudnitz/Mohlsdorf
03661/433829