Thüringer Arbeitsgemeinschaft Mykologie e.V. (ThAM) Wöllnitzer Str.53 07749 Jena Tel./Fax:(03641)396584 www.tham-thueringen.de tham-thueringen@t-online.de Rundschreiben Nr. 2 / 2002 Liebe Pilzfreunde, wiederum geht ein ereignisreiches Jahr zu Ende. Die Thüringer Pilzfreunde haben sich während der 1. Thüringer Landespilzausstellung erstmals seit langer Zeit einer größeren Öffentlichkeit präsentiert. Die Veranstaltung ist mit ca. 4000 Besuchern, über 600 (!) ausgestellten Pilzarten sowie einem recht breiten Medieninteresse uneingeschränkt als Erfolg zu werten. Eine erhöhte Anzahl von Tagesexkursionen mit einer z.T. höheren Teilnehmerzahl hat der pilzfloristischen Erforschung unseres Landes weiteren Auftrieb verliehen und den Zusammenhalt der Pilzfreunde untereinander gefördert. Während der Fortbildungsveranstaltung in Eschefeld konnten sich Pilzfreunde in der mikroskopischen Pilzbestimmung weiterbilden. Das sind nur einige der wichtigsten Aktivitäten, die die thüringischen Pilzfreunde im Verlauf des Jahres 2002 zu verzeichnen haben. Hinzu kommen viele auf lokaler Ebene organisierte Veranstaltungen wie kleinere Ausstellungen, Vorträge und öffentliche Pilzwanderungen. In der Vereinsarbeit kam es nach der Pilzausstellung zu kleineren Turbulenzen, als der 2. Vorsitzende sein Amt niederlegte und später sogar dem Verein den Rücken kehrte. Glücklicherweise lässt die Satzung das Weiterarbeiten des Vorstands auch in einem solchen Fall bis zur nächsten regulären Mitgliederversammlung zu, auf der im kommenden Jahr ohnehin ein neuer Vorstand zu wählen ist. Wie bereits mehrmals angekündigt, ist dies das letzte Rundschreiben, welches gleichermaßen an Mitglieder der ThAM und an Nicht-Mitglieder verschickt wird. Die hohen Versandkosten, welche aus der Vereinskasse bezahlt werden müssen (im vorliegenden Fall ca. 156 €), bedingen eine derartige Vorgehensweise. Deshalb ergeht hiermit letztmalig die Aufforderung an bisher noch zögerliche Pilzfreunde, sich dem Verein anzuschließen. Sollte der Jahresbeitrag von 12 € zu hoch sein, kann aus sozialen Gründen beim Vorstand ein Antrag auf Beitragsminderung gestellt werden (7 €). In besonderen Fällen kann die Beitragszahlung auch vollständig ausgesetzt werden. Es muss auch darauf aufmerksam gemacht werden, dass (selbstverständlich !) zukünftig ThAM-Mitglieder bei von der ThAM organisierten Veranstaltungen Vorteile genießen. Deshalb sollten sich möglichst viele Pilzfreunde noch den letzten Ruck geben und den beiliegenden Aufnahmeantrag ausfüllen. Gegenwärtig besitzt der Verein 85 Mitglieder. Auf der ThAM-Mitgliederversammlung am 5. Oktober 02 wurde über die weitere Gestaltung dieses Rundschreibens diskutiert. Die überwiegende Mehrzahl der anwesenden Mitglieder war der Meinung, dass im Augenblick kein Änderungs- oder Erweiterungsbedarf für das Rundschreiben besteht. Die finanziellen Mittel und die Energie, die hierfür notwendig wären, sollten vielmehr für dringlichere Aufgaben verwendet werden, etwa für die Herbeiführung einer landesweiten Regelung der Pilzberatung. Dennoch haben A. Vesper und G. Hirsch jeweils einen kleinen fachlichen „Ergänzungsbeitrag" zum Rundschreiben beigesteuert. 1. Landespilzausstellung auf der ega in Erfurt 5. – 6. Oktober 2002 Als die Idee für die Landespilzausstellung vor 2 Jahren geboren wurde, gab es nicht nur Zustimmung. Der Erfolg der Veranstaltung gibt aber denen recht, die an der Idee festgehalten und die Ausstellung letztlich realisiert haben. Und das waren nicht wenige: Über 20 Pilzfreunde haben sich direkt an der Vorbereitung, dem Aufbau und der Betreuung der Pilzausstellung beteiligt, und weitere 35 haben durch die Anlieferung von Pilzmaterial zum Gelingen der Veranstaltung beigetragen. Ihnen allen soll an dieser Stelle nochmals für ihr Engagement gedankt werden. Die Ausstellung fand ein uneingeschränkt positives Echo sowohl bei den Besuchern, den Beteiligten und bei den Medien. Mit über 600 ausgestellten Pilzarten war dies möglicherweise die artenreichste Pilzausstellung, die jemals in Deutschland gezeigt wurde! Von Seiten der ega wurde der Wunsch geäußert, die Pilzausstellung jährlich durchzuführen. Der ThAM-Vorstand war sich jedoch darin einig, dass eine jährliche Wiederholung zu aufwändig wäre. Die zentrale Pilzausstellung soll nunmehr im zweijährigen Abstand durchgeführt werden, wobei die Wahl des Ortes (ega oder anderswo) von den konkreten Bedingungen abhängen soll, die der Veranstalter bietet. Viele Aktive empfanden es als Zumutung, für eine Veranstaltung, die so viele Zuschauer auf die ega gelockt hat, noch zusätzlich Geld an die ega zahlen zu müssen. 2. Mitgliederversammlung der ThAM am 5. Oktober 2002 Das Protokoll der MV vom 5.10.02 liegt für Mitglieder diesem Rundschreiben bei. 3. Bericht über die Tagesexkursionen der ThAM A) Exkursion in den Ellricher Stadtwald am 6. Juli 2002 (Leitung: W. Schulz und G. Eckstein) Schaut man sich die veröffentlichten Verbreitungskarten der Ostdeutschland-Kartierung an, zeigt häufig das Harzgebiet Verbreitungsschwerpunkte bei Arten, die ansonsten nicht so weit oder dicht verbreitet sind. Hierzu gehören z.B. der Samtige Pfifferling (Cantharellus friesii), der Orangegelbe Streifling (Amanita crocea) und der Strubbelkopf (Strobilomyces strobilaceus). All diese Arten konnten während der Exkursion in den Ellricher Stadtwald besichtigt werden, neben zahlreichen weiteren, z.T. besonderen und seltenen Sippen. Der Sommertermin erwies sich als ausgesprochen günstig, so dass die mehr als 30 Teilnehmer der Exkursion voll auf ihre Kosten kamen. B) Exkursion in den Raum Sonneberg am 27. Juli 2002 (Leitung: P. Püwert) Von Peter Püwert wurde eine Exkursionsroute in das neu ausgewiesene NSG „Mürschnitzer Sack" im ehemaligen „Todesstreifen" an der bayerischen Grenze festgelegt, die wirklich außergewöhnliche Funde erbrachte. Sehr feuchte Erlenwälder und Fichtenforste mit viel Totholz wechselten mit eher trockenen, an Beersträuchern reichen Kiefernforsten ab. Große Teile des Gebietes unterliegen seit langem keiner Nutzung mehr, so dass zum Teil urwaldähnliche Verhältnisse angetroffen wurden. Es kann nur eine kleine Auswahl der bedeutungsvollsten Funde genannt werden. Der stromatische Schlauchpilz Camarops tubulina konnte an seinem einzigen bisher bekannten thüringischen Fundort beobachtet werden. Am gleichen Fichtenstamm wurde der seltene Porling Pycnoporellus fulgens (Leuchtender Weichporling) beobachtet (3. FO in Thü.). Schwarzgebänderter Harzporling (Ischnoderma benzoinum) und Goldfarbener Fältling (Pseudomerulius aureus) waren weitere nicht alltägliche Pilzarten. Immerhin hatten ca. 25 Pilzfreunde den teilweise weiten Weg bis an die Südgrenze Thüringens auf sich genommen, und sie wurden nicht enttäuscht. Neben vielen interessanten Pilzen konnten die botanisch Interessierten auch einen der letzten noch existenten thüringischen Fundorte des Sumpfbärlapps (Lycopodiella inundata) in Augenschein nehmen. C) Exkursion in die Muschelkalklandschaft bei Stadtilm am 21. September 2002 (Leitung: W. Weber) Hierzu liegt uns leider kein Bericht vor. D) Exkursion in die Kammlage des westlichen Thüringer Waldes am 28. September 2002 (Leitung: K. Engemann und G. Hirsch) Etwa 15 Pilzfreunde hatten sich am Parkplatz auf dem Kleinen Inselsberg zur Pilzexkursion entlang der Kammlage des Thüringer Waldes eingefunden. Die recht trockene Witterung im Vorfeld hatte wahrscheinlich eine größere Teilnehmerzahl verhindert. Dabei war das Pilzaufkommen gar nicht so schlecht wie erwartet. Einige nicht alltägliche Besonderheiten waren sogar recht häufig, z.B. der Olivgelbe Holzritterling (Tricholomopsis decora) oder der Kohlen- Nabeling (Myxomphalia maura), letzterer nicht auf Brandstellen, sondern stets auf Fichtennadel-Humus. Neben Fichtenforsten befinden sich dort vor allem recht großflächige Hainsimsen-Buchenwälder über dem sauren Urgesteins-Untergrund. Letztere waren allerdings sehr licht und stark vergrast und deshalb hinsichtlich des Pilzwachstums durch das trockene Wetter stärker negativ betroffen. Zu ungewohnter Jahreszeit fand sich hier z.B. der Weitlöcherige Porling (Polyporus arcularius). E) 2. Kartierungstreffen zur Pilzkartierung in Naturschutzgebieten: NSG Jägersruh – Gemäßgrund – Mulschwitzen bei Rodacherbrunn am 12. Oktober 2002 (Leitung: J. Wiesner und F. Putzmann) Wie bereits im Vorjahr hat die ThAM auch 2002 zusammen mit der Thüringer Landesanstalt für Umwelt und Geologie (TLUG) und der Naturparkverwaltung Obere Saale – Frankenwald eine Exkursion zur Inventarisierung eines Naturschutzgebietes durchgeführt. Diesmal war das erst vor kurzer Zeit ausgewiesene NSG „Jägersruh – Gemäßgrund – Mulschwitzen" Ziel der ca. 20 Teilnehmer. Das mit über 1000 ha sehr große Gebiet befindet sich im Frankenwald südwestlich von Lobenstein und reicht bis unmittelbar an die bayerische Grenze heran. Die Biotopausstattung ist sehr abwechslungsreich, neben verschiedenen Wald- und Forstgesellschaften finden sich vor allem im unmittelbaren Grenzgebiet auch wertvolle Grünlandgesellschaften. Das extrem kalte und windige Wetter verhinderte ein noch besseres Exkursionsergebnis. Es wurde in 2 Gruppen aufgeteilt. Gruppe 1 fand auf den Bergwiesen eine sehr interessante Saftlings-Gesellschaft vor. Die zweite Gruppe untersuchte die Waldbiotope im Gebiet Jägersruh. Hier befindet sich sogar ein kleines Totalreservat, welches bereits seit mehreren Jahrzehnten aus der forstlichen Nutzung herausgefallen ist. Neben Bergahorn-Buchen-Gebirgswäldern besitzt das Gebiet u.a. auch noch nennenswerte Weißtannenbestände. Es waren deshalb vor allem Tannenbegleiter wie der Bergporling (Bondarzewia mesenterica), die als besondere Funde dieser Exkursionsgruppe genannt werden müssen. Aber auch die Milchlingsarten Lactarius picinus (Pechschwarzer Milchling) und L. ruginosus (Weitblättriger Korallen-Reizker) verdienen Erwähnung. Im Anschluß an die Exkursion fand wie schon im Vorjahr im Naturpark-Zentrum in Leutenberg eine Pilzausstellung statt, die von unseren Mitgliedern K. Hassmann und F. Putzmann betreut wurde und die sehr große Resonanz fand. Wir sind bemüht, die Fundlisten der einzelnen Exkursionen zeitnah zusammenzustellen und den Teilnehmern zukommen zu lassen bzw. auf der ThAM-Homepage zu veröffentlichen. Das gelingt nicht immer – wir bitten um Verständnis. 4. Kartierung Von der ThAM-Mitgliederversammlung wurde G. Hirsch beauftragt, Thüringen im Bundesfachausschuss (BFA) Mykologie des NABU zu vertreten. Die BFA-Sitzung im November erbrachte einen Fortschritt hinsichtlich der Ostdeutschland-Kartierung. Das Gremium beschloss, die Kartierung wieder aufzunehmen, nachdem die beiden ausstehenden Serien (Täublinge sowie Auwaldpilze und Weidenbegleiter) nunmehr recht weit fortgeschritten sind und alsbald im „Boletus" veröffentlicht werden sollen. Das bedeutet, dass als nächstes die Schnecklings-Serie bearbeitet wird, für die bereits vor anderthalb Jahren schon einmal aufgerufen wurde (vgl. Rundschreiben Nr. 1/2001 bzw. Boletus 23: 47f., 1999). Es wird im Jahr 2003 noch Zeit sein, Ergänzungen für diese Kartierungs-Serie zu sammeln. Nachfolgend nochmals die zu kartierenden Arten: Hygrophorus agathosmus (Wohlriechender Schneckling), H. chrysodon (Goldzahn-Sch.), H. discoxanthus = H. cossus ss. Moser (Verfärbender Sch.), H. eburneus (Elfenbein-Sch.), H. erubescens (Rasiger Purpur-Sch.), H. ligatus = H. gliocyclus (Schleimigberingter Sch.), H. hypothejus (Frost-Sch.), H. lucorum (Lärchen-Sch.), H. hedrychii = H. melizeus (Birken-Sch.), H. nemoreus (Hain-Sch.), H. olivaceoalbus (Natternstieliger Sch.); H. penarius (Trockener Sch.) H. persoonii = H. dichrous (Olivgestiefelter Sch.), H. piceae (Fichten-Sch.), H. pustulatus (Pustel-Sch.) Ebenfalls Bewegung ist in die gesamtdeutsche Kartierung gekommen, zu der bereits im Jahr 1998 für insgesamt 31 Arten die Datensammlung erfolgte, jedoch nicht zu Ende gebracht wurde. H. Dörfelt, dem für diese Initiative sehr zu danken ist, hat sämtliche vorhandenen Unterlagen zusammengetragen, ausgewertet und Probekarten angefertigt, welche gegenwärtig aus dem Internet zum Zweck der Ergänzung und Korrektur heruntergeladen werden können (http://141.35.2.84/biologie/ecology/doerfelt/maps.php). Dies ist allerdings nicht zu empfehlen, da die Dateien sehr groß sind. Nach der Überarbeitung sollen diese Verbreitungskarten in der Zeitschrift für Mykologie veröffentlicht werden. Gleichzeitig soll ein von der DGfM eingesetztes Gremium festlegen, wie es mit den deutschlandweiten Aktivitäten weitergehen soll. 5. Pilzberatung Wenig Neues gibt es von der Pilzberatung zu berichten. Sämtliche von der ThAM an Landesbehörden gerichtete Schreiben in dieser Angelegenheit blieben unbeantwortet. Wir werden dennoch im kommenden Jahr fortfahren, uns um entsprechende Kontakte zu bemühen. Angesichts der prekären Haushaltslage auf allen Ebenen der staatlichen Verwaltungen dürften allerdings unsere Chancen für eine thüringenweite Regelung im Augenblick sehr schlecht stehen. Bei den in den Kommunen vorhandenen Sparzwängen werden wir aufpassen müssen, dass wenigstens der Status quo erhalten bleibt. Nach der ausgefallenen Pilzsachverständigen-Prüfung in diesem Jahr werden wir 2003 einen neuen Anlauf nehmen, um jene Pilzfreunde, die ernsthaft PSV werden möchten, an dieses Ziel zu führen. In welchem Rahmen das stattfinden wird, hängt von der Anzahl der Interessenten ab. Auf alle Fälle werden jedoch diejenigen, die PSV werden wollen, ihre Chance erhalten. 6. Highlights 2002 Ob es an dem mittelmäßigen Pilzjahr gelegen hat, dass die Anzahl der „Highlights" in diesem Jahr geringer ausfällt, wissen wir nicht. Fakt ist, dass weniger Meldungen eingegangen sind als in den Vorjahren. Seitdem Pilzfreund Dietmar Löffler (Eschefeld bei Altenburg) sich mit seinem Mikroskop angefreundet hat, legt er richtig los: Mindestens 4 Erstnachweise für Thüringen stehen bei ihm 2002 zu Buche, darunter der krustenförmige Porling Antrodia pulvinascens sowie mehrere Rindenpilze. Auch sehr seltene Korallenpilze konnte er in seinem Sammelgebiet nachweisen, darunter Ramaria botrytis (Bärentatze) und die ähnliche R. subbotrytis. Außerdem genießt D. Löffler das Privileg, die beiden seltenen Röhrlinge Boletus queletii (Glattstieliger Hexenröhrling) und B. regius (Königsröhrling) zu kennen, welche ebenfalls 2002 in seinen Revieren wuchsen. Die wenigsten Pilzfreunde haben das Glück, jemals einen Igel-Stachelbart (Hericium erinaceus) zu Gesicht zu bekommen. Der auf pilzbewohnende Insekten spezialisierte Entomologe H. Platt (Mühlhausen) hatte dieses Glück. Sein Pilz wuchs an Buche im Hainich. In den Jahren 2001 und 2002 hat Lothar Krieglsteiner umfangreiche Untersuchungen zur Pilzflora der Rhön durchgeführt. Im thüringischen Teil des Gebirges gelangen ihm mehrere Dutzend Erstnachweise für den Freistaat, vor allem kleine Ascomyceten. Besonders hervorzuheben ist auch die Wiederentdeckung des in Thüringen verschollenen Dottergelben Spatelings (Spathularia flavida). Unser auf Holz bewohnende Arten besonders fixierter Pilzfreund Sigmar Biskup (Kölleda) hat schon vor drei Jahren erstmals für Thüringen den Kirsch-Kraterpilz (Craterocolla cerasi) nachweisen können. Mittlerweile hat er den Pilz an drei unterschiedlichen Stellen in seinem näheren Sammelgebiet auffinden können, was den Gedanken nahelegt, dass die Art vielleicht doch nicht so selten ist wie gedacht. Dafür spricht auch ein weiterer Fund von I. Meinunger in der Rhön. Man hat an alten, lebenden Kirschbäumen im Winterhalbjahr nach rötlichen Gallertpilzen am Stamm oder an Ästen zu suchen. / Ein weiterer besonderer Nachweis von S. Biskup aus dem Jahr 2002 ist das Vorkommen des normalerweise nur an Apfelbäumen wachsenden Schwefelgelben Stachelschwammes (Sarcodontia crocea) auf einer Schwedischen Mehlbeere (Sorbus suecica). Jene Pilzfreunde, die sich und ihre Funde hier vermissen, mögen nachsichtig sein. Es ist mir nicht möglich, alle Informationen, die mir im Laufe des Jahres zugehen, stets abrufbereit zu haben. Wir werden also sicher im nächsten Rundschreiben wieder einen Nachtrag zu den „Highlights" des Jahres 2002 bringen (müssen). In Thüringen sind in den letzten zehn Jahren eine Vielzahl von bemerkenswerten und bedeutenden Pilzfunden getätigt worden. In krassem Gegensatz dazu steht die geringe Zahl an pilzfloristischen Veröffentlichungen aus unserem Bundesland. Viele Pilzfreunde scheinen sich davor zu scheuen, ihre z.T. sehr wertvollen Funde zu publizieren. Der Unterzeichnende plant deshalb eine Initiative zur Veröffentlichung der wichtigsten Funde der letzten Jahre und möchte eine Publikationsreihe initiieren (etwa „Besondere Pilzfunde aus Thüringen" o.ä.). Er wird sich deshalb in der nächsten Zeit mit einer Reihe von Pilzfreunden in Verbindung setzen. 7. Weitere Pilzallergie in Deutschland aufgetreten Von unserem Mitglied G. Matschewsky (Weimar) wurden wir auf den Fall einer Pilzallergie aufmerksam gemacht, welche in Berlin nach dem Genuß von Shiitake (Lentinus edodes) aufgetreten ist. Dabei kam es zur Ausbildung streifenförmiger Hautausschläge auf dem Rücken mit starkem Juckreiz, welche an eine sog. Flagellanten-Dermatitis erinnerten. Die korrekte Ermittlung der Ursachen der Erkrankung erwies sich als sehr schwierig, da Hauterkrankungen nicht vordergründig mit Pilzgenuss in Verbindung gebracht werden. Es ist deshalb möglich, daß ähnliche Fälle nicht korrekt diagnostiziert wurden. In Japan, wo der Shiitake-Pilz „zu Hause" ist und sehr häufig konsumiert wird, ist diese allergische Reaktion aber bereits seit einiger Zeit bekannt. Wahrscheinlich tritt sie nur auf, wenn die Pilze roh oder nur kurzzeitig erhitzt waren. Die Erkrankung hielt ca. 14 Tage an, als Therapie wurden u.a. Cortico-Steroide verabreicht. Da der Shiitake-Pilz auch bei uns immer beliebter wird und praktisch überall gekauft werden kann, sollte darauf geachtet werden, dass die Pilze immer gut und lange erhitzt werden, weil das auslösende Toxin hitzelabil ist. 8. Termine a) Tagungen Eine DGfM-Tagung findet 2003 nicht statt. · Tagung des Bundesfachausschusses Mykologie in Güntersberge (Harz, Sachsen-Anhalt) vom 11.-14.09.2003 Anmeldung bis 31. März 2003 (bzw. 30. Juni 2003 bei eigener Organisation der Unterbringung) an R. Knoblich, E.-Eckstein-Str. 8, 06110 Halle (Saale). Anmeldeformular im neuesten Boletus (kann bei mir angefordert werden, G.H.) · 10. Cortinarien-Tagung in Podbanske (Tatra, Slowakei) vom 28.9.-02.10.2003 Nähere Informationen im Internet unter www.jec-cortinarius.org. · 4. Thüringer Exkursions- und Vortragstagung in (voraussichtlich) Zadelsdorf (bei Zeulenroda, LK Greiz) vom 10.-12.10.2003 (voraussichtlich) Nähere Einzelheiten im nächsten Rundschreiben bzw. auf unserer Homepage, sobald die Organisation klar ist. b) Exkursionen · 31. Mai 2003, Greizer Park in Greiz, Treffpunkt 10.00 Uhr am Sommerpalais im Park (Leitung: G. Hirsch) Parkmöglichkeiten z.B. am Zapfwerk (B 94 von Zeulenroda/Gera kommend, nach 2 Tankstellen noch ca. 500 m, dort, wo Hauptstraße nach rechts in Richtung Zentrum abbiegt) oder am Arbeitsamt (B 94 noch wenige Meter weiter) Weitere Tagesexkursionen werden im nächsten Rundschreiben im Juni angekündigt (bzw. schon vorher auf unserer Homepage). Im Namen des Vorstandes der ThAM wünsche ich allen Pilzfreunden ein glückliches, gesundes neues Jahr 2003 ! G. Hirsch Jena, im Dezember 2002 Kleine Checkliste wichtiger makroskopischer Merkmale von Blätterpilzen (A. Vesper) Was bei Porlingen und Rindenpilzen scheinbar möglich ist, dass eine sichere Bestimmung an Hand eines guten Exsikkates sowie der mikroskopischen Merkmale vorgenommen werden kann, ist bei den meisten Agaricales und Russulales leider nicht der Fall. Ohne Notizen der makroskopischen Eigenschaften vom Frischmaterial reifer Fruchtkörper gelingt die eindeutige Zuordnung zur Art - vor allem in artenreichen Gattungen - nur selten. In der Praxis sieht es aber so aus, dass allzu oft Belege von getrockneten Pilzen zur Bestimmung versandt oder übergeben werden, bei denen nicht einmal die Funddaten und die Begleitflora notiert worden. Mikroskopie ist aufwändig, und solches Material zu mikroskopieren ist dann oft schade um die Zeit. Mit der unten stehenden kleinen Checkliste möchte ich versuchen, dem entgegenzuwirken und die Qualität zukünftiger Fundbelege zu verbessern. Wenngleich allgemein gültige Richtlinien zur makroskopischen Beschreibung der Blätterpilze nicht möglich sind, da die Gewichtung der Merkmale bei den einzelnen Gattungen, oft sogar der Arten, sehr unterschiedlich sein kann, hoffe ich doch, die wichtigsten Merkmale, die durch das Trocknen der Fruchtkörper unwiederbringlich verlorengehen, aufgelistet zu haben. Die in Klammern angegeben Merkmale sind Beispiele und auf keinen Fall vollständig. Problematisch sind die meisten Arten der Gattung Coprinus (Tintlinge), welche die unangenehme Eigenart besitzen, sich schon nach kurzer Zeit selbst aufzulösen (Autolyse). Wie allgemein bekannt, bleibt nur eine schwarze Masse zurück, die fast 100%ig aus reifen Sporen besteht. Die anderen mikroskopischen Merkmale sind weitestgehend zerstört und nicht mehr nachweisbar. Deshalb sind aus dieser Gruppe nur junge Pilze für das Trocknen geeignet. Als Zugabe ein kleines Stück von einer reifen Lamelle ist ausreichend für die Untersuchung der Sporen. Checkliste Wichtige Hinweise für das Aufsammeln: · Pilzfruchtkörper aus dem Substrat (mit Messer) herausheben (nicht abbrechen oder abschneiden), dabei auf mögliche Stielknolle achten und häufiges und großflächiges Anfassen vermeiden. · Pilze an Holz mit etwas Substrat abschneiden. · Transport kleiner Pilze jede Art voneinander getrennt am besten in geschlossenen Behältern. Notwendige Fundnotizen: · Fundort: Verbal beschreiben und wenn möglich unter Angabe der MTB-Nr. inklusive Viertelquadrant, im Gebirge Höhenangabe nicht vergessen. · Habitat und Begleitflora: Mindestens solche allgemeinen Angaben wie Laubwald, Nadelwald, Trockenrasen, feuchte Tallage, stark exponierte Stelle usw. · Datum · Name des Finders. Makroskopische Merkmale: · Wuchsform: (einzeln, büschelig, Hechsenring ...) · Hut: Größe; Form (kegelig, konvex, niedergedrückt, Buckel vorhanden, Rand gerieft ...); Farbe, Hygrophanität und Zonierung (Veränderungen beim Trocknen beachten); Struktur der Hutdeckschicht (schleimig, faserig, glatt, schuppig ...); Velum (vorhanden? Farbe, häutig, faserig schuppig ...); Cortina am Hutrand (Farbe, Vergänglichkeit). · Stiel: Größe; Form, Basis (keulig, knollig oder gerandet-); Farbe; Struktur der Stieloberfläche (schleimig, bereift, flockig, faserig oder befasert, glatt, schuppig ...); Ring (vorhanden? häutig, faserig, hängend, doppelt, Farbe, gerieft ...). · Lamellen: Ansatz (herablaufend, angewachsen, frei ...); Farbe; Lamellenschneide: Farbe und Struktur (glatt, bewimpert, gezähnelt ...) · Fleisch: Farbe (im Hut und Stiel oft unterschiedlich, Veränderungen im Schnitt); Geruch (manchmal erst nach Lagerung im geschlossenen Transportbehälter nachweisbar); evtl. auch Geschmack und je nach Möglichkeit chemische Reaktionen prüfen (bei Täublingen oft wichtig) . · Sporenpulver: Farbe bei Tageslicht. Ein gutes Foto ist sehr hilfreich, ersetzt aber nicht die Beschreibung! Exsikkat anfertigen! (Exsikkat ist ein Trockenbeleg von Pflanzen und Pilzen) Auf sanfte Trocknung achten, nicht im Backofen! Steht kein Trockengerät zur Verfügung ist z.B. eine Warmwasserheizung sehr gut geeignet, aber auch ein warmer Monitor hat schon gute Dienste geleistet. Zugegeben, dass ist schon etwas aufwändig. Aber wem nützen zig Funde, die am Ende doch nicht bestimmt werden können. Wer sich intensiver mit diesem Thema befassen möchte, dem empfehle ich Band II, Handbuch für Pilzfreunde von Michael,Hennig, Kreisel, Allgemeiner Teil: Merkmalskunde. Zur Ausbreitung einiger Holzbewohner in Thüringen (G. Hirsch) Auf die neue Rote Liste der Großpilze Thüringens wurde in unserem Rundschreiben 1/2002 bereits hingewiesen. In dieser Liste sind jene Arten verzeichnet, von denen wir wissen oder mit Wahrscheinlichkeit annehmen, dass sie in Thüringen seltener geworden oder sogar ganz verschwunden sind. Wir kennen jedoch auch zahlreiche gegenteilige Fälle, Arten nämlich, die entweder früher in Thüringen gar nicht vorhanden waren, oder solche, die in der Häufigkeit deutlich zunehmen. Besonders bei Holz bewohnenden Pilzen sind die Ursachen für solche Veränderungen weitgehend unklar, weil die üblicherweise genannten Ursachen wie Luftschadstoff-Eintrag oder saurer Regen hier nicht greifen. Vielleicht sind tatsächlich Klimaveränderungen der auslösende Faktor für das Häufigerwerden mancher Arten. Die gleiche Ursache könnte für die Ausweitung der Substratspektren mancher Arten (z.B. Judasohr) verantwortlich sein Auf einige spektakuläre Fälle der Ausbreitung Holz bewohnender Arten in Thüringen möchte ich nachfolgend kurz hinweisen. Diese Hinweise verbinde ich mit der Bitte an jene Pilzfreunde, die diese Arten kennen und die über verlässliche Aufzeichnungen verfügen, mir diese für eine geplante Publikation zur Verfügung zu stellen. Alle drei Arten kommen in Thüringen vorrangig an Buchenholz in Buchenwäldern vor. 1. Ischnoderma resinosum – Laubholz-Harzporling Bis zum Anfang der 90er Jahre war diese Porlingsart fast ausschließlich aus dem Harzgebiet bekannt (mit einer Ausnahme, vgl. „Pilzflora der DDR"!), was gut dokumentiert ist. Irgendwann (?) etwa Mitte der 90er Jahre begann die Art sich nach Süden und Osten auszubreiten. Die Ausbreitung hat heute große Teile Thüringens erfaßt, die gegenwärtige Südgrenze erstreckt sich etwa zwischen Eisenach und Greiz. Demnach hat der Pilz den Thüringer Wald und Südthüringen noch nicht erreicht !? Benötigt werden weitere Daten, die geeignet sind, die neuere Ausbreitungsgeschichte dieser Art in Thüringen noch näher zu beleuchten. Dabei sind insbesondere Angaben notwendig, wann und wo der Pilz außerhalb der Harzregion erstmalig aufgetaucht ist. 2. Lopharia spadicea – Brauner Schichtpilz Diese Art ist aus Thüringen seit Beginn der 80er Jahre bekannt. Die ersten Fundorte befanden sich in West- und Südthüringen. Irgendwann (?) in den 90er Jahren konnte eine Ausbreitung der Art in Richtung Norden und Osten festgestellt werden. Möglicherweise hat die Art heute bereits ganz Thüringen besiedelt. Genau wissen wir das aber nicht. Deshalb sind unbedingt exakte Funddaten dieses Schichtpilzes aus den 90er bzw. den letzten Jahren erforderlich, um die genaue Ausbreitungsgeschichte in Thüringen dokumentieren zu können. 3. Plicatura crispa – Krauser Aderzähling Wie den Angaben in der „Pilzflora der DDR" zu entnehmen ist, galt diese Art noch Mitte der 80er Jahre als extrem selten. Von zwei „neueren" Funden in Ostdeutschland stammte einer aus Thüringen (1968, Rhön). In den darauffolgenden mehr als zweieinhalb Jahrzehnten blieb der Pilz in Thüringen verschwunden. Es war deshalb sehr überraschend, als der Pilz 1995 im Helbetal relativ häufig beobachtet werden konnte. Bereits kurze Zeit später kamen weitere Funde aus verschiedenen Teilen Thüringens hinzu, und heute kann man den Pilz in verschiedenen Regionen unseres Landes bereits als zerstreut bis häufig bezeichnen. Nach bisherigem Kenntnisstand gab es keine gerichtete Wiederausbreitung der Art. Der Pilz tauchte scheinbar unvermittelt an den verschiedensten Stellen in Thüringen nach jahrzehntelanger Abwesenheit wieder auf. Die Gründe hierfür liegen im Dunkeln. Um Einzelheiten des Ausbreitungsprozesses noch genauer dokumentieren zu können, werden Funddaten des Krausen Aderzählings aus den 90er Jahren aus allen Teilen Thüringens benötigt.