Thüringer Arbeitsgemeinschaft Mykologie e.V. (ThAM) Wöllnitzer Str.53 07749 Jena Tel./Fax:(03641)396584 www.tham-thueringen.de tham-thueringen@t-oniine.de Rundschreiben Nr. 1 / 2005 Liebe Pilzfreunde, auch wenn die Situation in Deutschland momentan nicht so rosig aussieht, hoffe ich doch, dass Ihr Euch Euer Hobby nicht verleiden lasst. Selbst diejenigen, deren private Situation mäßig bis schlecht ist, sollten den Mut nicht verlieren und bei den Pilzen Abwechslung und Ausgleich finden. Voraussetzung ist allerdings, dass es Pilze gibt, aber da sieht es ja bisher auch nicht so gut aus. Der Frühjahrsaspekt ist vielerorts weitgehend ausgefallen, so dass kiloweise Mor- cheln wirklich nur an wenigen Stellen gesammelt werden konnten. Überhaupt besteht in den meisten Landesteilen schon wieder ein beträchtliches Niederschlagsdefizit, was die Befürchtung nährt, das dritte relativ schlechte Pilzjahr hintereinander zu bekommen. Nun, wir werden uns Anfang Oktober in Dittrichshütte zu unserer Tagung treffen und dann sehen, ob sich die Befürchtungen bewahrheitet haben oder nicht. 1. Fünfte Exkursions- und Vortragstagung der ThAM Turnusgemäß findet im Herbst dieses Jahres die Fünfte Thüringer Exkursions- und Vortragstagung in Dittrichshütte bei Saalfeld statt, einschließlich der Mitgliederversammlung und Neuwahl des Vorstands unseres Vereins. Einzelhei- ten sind auf der beiliegenden separaten Einladung verzeichnet. Die Tagung wird neben der allgemeinen Kontaktpfle- ge auch wiederum die Weiterbildung der PSV unseres Vereins zum Ziel haben. Wir werden uns bemühen, dass die Veranstaltung auch von der DGfM als Weiterbildung für DGfM-Pilzsachverständige anerkannt wird. Allerdings wird dieses Bestreben im Gegensatz zu vergangenen Veranstaltungen zweitrangig sein, hat doch die DGfM (vgl. Peter Reil im letzten Heft der Zeitschrift für Mykologie) fernab jeglicher Realität ihren Alleinvertretungsan-spruch hinsichtlich der Pilzberatung in Deutschland erneuert und betont, keinerlei Qualifikationsnachweise anderer Vereinigungen anzuerkennen. Man kann gegenüber solcher Einstellung nur mit Kopfschütteln reagieren, auch ange-sichts der Tatsache, dass anerkanntermaßen nicht nur die Erfahrungen der Ostdeutschen in der Pilzberatung größer waren, sondern nunmehr in allen östlichen Bundesländern kompetente Landesvereine existieren, die sich u.a. die Koordination der Pilzberatung auf ihre Fahnen geschrieben haben. Wir haben also allen Grund, selbstbewusst den eingeschlagenen Weg einer eigenen thüringischen Pilzsachverstän- digen-Lizenz weiter zu verfolgen, zumal die von uns aufgestellten und beschlossenen Richtlinien etwa hinsichtlich der Qualitätssicherung der Pilzberatung die der DGfM deutlich übertreffen. Die Veranstaltung in Dittrichshütte steht allen Interessenten offen, unabhängig davon, ob sie ThAM-Mitglied sind oder nicht. Es wird diesbezüglich allerdings wieder Differenzierungen bei der Tagungsgebühr geben. Aus organisatorischen Gründen ist es notwendig, die Anmeldefrist auf vier Wochen zu beschränken. Spätere Nach-meldungen sind nur noch bedingt möglich. Bitte also möglichst gleich anmelden I Außerdem möchten wir das Finanzielle vorziehen. Bitte also rechtzeitig die entsprechende Summe auf das ThAM-Konto einzahlen, das reduziert den Stress zu Beginn der Veranstaltung. Es sei hier nochmals die Bitte wiederholt, andere Pilzfreunde, insbesondere PSV, die keine ThAM-Mitglieder sind, von dieser Veranstaltung zu informieren. 2. Sonstige Weiterbildungsveranstaltungen und PSV-Prüfungen Nach den positiven Erfahrungen des Jahres 2004 hat sich unser Vorstandsmitglied Andreas Gminder entschlossen, die von ihm begründeten Pilzkurse im Thüringer Wald (Oberhof) auch in diesem Jahr weiterzuführen. Eine Übersicht der geplanten Veranstaltungen findet sich im letzten erschienenen BOLETUS-Heft (27/2, S. 124). Von den dort ge- nannten Terminen sind insbesondere folgende gesichert: - Fortgeschrittenenkurs mit anschließender PSV-Prüfung (22.-26.08.2005, Prüfung am 27.08.) Kombinierter Anfänger- u. Fortgeschrittenenkurs (19.-23.09.2005) - Fortgeschrittenenkurs mit anschließender PSV-Prüfung (17.-21.10.2005, Prüfung am 22.10.) Spezialkurs Schleierlinge (Cortinarien) 24.-28.10.2005 Details können im Internet unter www.pilzkurse.de nachgelesen werden. ThAM-Mitglieder erhalten 10% Rabatt auf die dort angegebenen Preise. Es ist auch möglich, an einer der Pilzsachverständigen-Prüfungen teilzunehmen, ohne vorher einen der Kurse absolvieren zu müssen. Bei Interesse bitte mit A. Gminder Kontakt aufnehmen (Tel.: 03641- 449390; eMail: agminder@jetzweb.de). 3. ThAM-Exkursion am 23. April 2005: Schlossleite bei Mühlberg (MTB 5131/1) (Bericht von J. Girwert) Am 23.04. trafen sich bei herrlichem Frühlingswetter ca. 25 pilzverrückte Damen und Herren zur ersten ThAM- Exkursion 2005 am Sportplatz Mühlberg. Das Gebiet der „Drei Gleichen" war so gut wie allen vom Vorbeifahren be- kannt. Als Pilzgebiet ist es unbekannt. Vielversprechend ist die Strukturvielfalt mit trockenem Laubwald/Gebüsch im Süden und frischem Laubwald im Norden. Hinzu kommt ein Wechsel von Keupersandstein zu Kalkstein. Vor der Exkursion gab es kalte, teils frostige Nächte, kaum Niederschlag und vielleicht war auch der Exkursionszeit- punkt etwas zu früh gewählt. Im Gegensatz zur ersten Exkursion 2004, Anfang Mai auf dem Possen, ist die Fundliste nur kurz ausgefallen (siehe unsere Homepage im Internet). Mittagessen und Fundauswertung erfolgten im Biergarten des „Weißen Rosses". 4. Fortgeschrittenentreffen in Mengersgereuth-Hämmern vom 2. - 5. Juni 2005 In der idyllisch gelegenen Pension „Augustental" trafen sich Anfang Juni 13 Pilzfreunde der ThAM, um knapp 3 Tage lang die Pilzflora am Südrand des Thüringer Waldes zu studieren. Von Peter Püwert und Ingo Wagner vorbereitet, fanden die angereisten Pilzkundler angenehme Arbeitsbedingungen vor. Für Mikroskope und teilweise umfängliche Bücherkisten stand genug Platz zur Verfügung, so dass schnell eine intensive Arbeitsatmosphäre entstand. Da nicht nur der Wirt, sondern auch einige der angereisten Gäste für das leibliche Wohl gesorgt hatten, artete das Treffen zeitweilig beinahe in Schlemmerei aus. Als Exkursionsziele hatten die Sonneberger Pilzfreunde verschiedene Gebiete im Großraum ausgewählt, u.a. auch neue Naturschutzgebiete im ehemaligen Grenzstreifen sowie Standorte mit Weißtannen. Das Pilzwachstum war zwar nicht optimal, aber wenn die Großpilze nicht ausreichend vorhanden waren, wurde auf Rindenpilze und kleine Asco- myceten „umgestellt". Die Auswertung ist noch nicht abgeschlossen, aber einige bemerkenswerte Funde sollen trotz- dem schon genannt werden, wie etwa der seltene Rindenpilz Xenasma pulverulentum oder die mykoparasitische Tremella mycophaga auf der Orangefarbenen Mehlscheibe (Aleurodiscus amorphus) auf Tanne. Bemerkenswert auf Grund seiner Wirtswahl ist sicher auch der imperfekte Pilz Sphaeropsis visci, welcher auf der Tannenmistel (Viscum laxum subsp. abietis) gefunden wurde. 5. ThAM-Exkursion am 25. Juni 2005 in den Osthausener Wald (MTB 5231/2) Die meisten Pilzfreunde ahnten es wohl schon und machten sich gar nicht erst auf den Weg zum Treffpunkt am Riechheimer Berg unweit Hohenfelden: Wegen der fast schon wieder extremen Trockenheit gab es so gut wie keine terrestrisch wachsenden Pilze. Die wenigen Unbeirrbaren, die zur Exkursion gekommen waren, machten sich trotz- dem auf den Weg, mit der Hoffnung im Hinterkopf, dass eine Feuchtstelle oder ein Bachlauf vielleicht doch einige Pilze zutage fördern würden. Die Hoffnung war aber weitgehend trügerisch. Es gab wirklich beinahe weniger als nichts an Pilzen. Als nahezu einzi- ger Blätterpilz trat gelegentlich Psathyrella candolleana (Lilablättriger Saumpilz) auf. Neben einigen Holzbewohnern wurde auch der nicht leicht zu findende Brandpilz Urocystis primulae (Fruchtbrand der Primeln) entdeckt. Die Teilnehmer machten aber aus der Not eine Tugend, indem sie auch mal über den mykologischen Tellerrand hin- ausblickten. So gab es neben mehreren Orchideenarten auch reichlich Exemplare der Sibirischen Schwertlilie (Iris sibirica) zu sehen, einer in Thüringen stark gefährdeten Pflanzenart. Entlang der Wege patrouillierten zahlreiche Tag- falter, darunter in großen Mengen der Kleine Eisvogel (Limenitis camilla), eine in Thüringen gefährdete Art. Andere reichlich vorhandene „zoologische Objekte", vor allem Bremsen und Mücken, reduzierten allerdings den Lustgewinn in der Natur etwas. 6. Termine für weitere Tagesexkursionen 2005 (1) 20.08.2005; Thüringer Wald, Gr. Dreiherrenstein, Marktal u. Morast (montane Fichtenforste, Bergwiesen, Bachtäler und Hochmoore) Treffpunkt: 10.00 Uhr Parkplatz am Gr. Dreiherrenstein zwischen Stützerbach u. Neustadt a. Rennsteig Leitung: Gerald Hirsch (2) 15.10.2005; Thüringer Schiefergebirge, Großenbachtal zwischen Schmiedefeld und Gebersdorf Treffpunkt: 10.00 Uhr Parkplatz des Schaubergwerkes „Morassina" in Schmiedefeld (B 281 zwischen Saalfeld u. Neuhaus, Ausschilderung in Schmiedefeld beachten!) Leitung: Peter Wolf Anschließend (14.00 Uhr) Besichtigung des Schaubergwerkes „Morassina", welches in den letzten Jahren durch mehrere Pilzfunde untertage hervorgetreten ist (Leitung: Klaus Müller) (3) 22.10.2004; Eichsfeld, Naturpark Werratal-Eichsfeld (Buchenwälder und Schluchtwälder über Muschelkalk und Buntsandstein) Treffpunkt: 10.00 Uhr an der Kirche in Wiesenfeld (ca. 12 km SSW Heiligenstadt) Leitung: Jochen Wiesner und Gerald Hirsch (5. Gemeinsame Exkursionsveranstaltung von ThAM und TLUG in Zusammenarbeit mit der Naturparkverwal- tung) (4) 29.10.2004; Zeitzer Forst (Kiefemforste, Mischwälder, feuchte Bachtäler über Buntsandstein) Treffpunkt: 10.00 Waldrand 1 km nordwestlich Lessen (A4 Abfahrt Gera Richtung Langenberg, weiter B2 Richtung Leipzig bis Abzweig Aga, kurz vor Aga Richtung Lessen, dann Feldweg bis zum Waldrand) Leitung: Andreas Vesper 7. Bitte um Mithilfe Bei dem Goldschimmel-Befall auf dem Porphyr-Röhriing (Porphyrellus porphyrosporus) handelt es sich wahrschein- lich um eine noch unbeschriebene Sepedonium-Art. Es wird dringend Material für eine Reinkultur benötigt. Wer mit Goldschimmel befallene Porphyr-Röhrlinge findet (möglichst junges, frisches Material), sollte diese schicken an: Dr. Helmut Besl, Universität Regensburg, Institut für Botanik, Universitätsstr. 31, 93053 Regensburg. G. Hirsch Jena, im Juni 2005